Antwort in Form einer Pressemeldung von MdB Carsten Linnemann

Sehr geehrter Herr Wedeking,

herzlichen Dank für Ihre Anfrage.

Nachfolgend füge ich Ihnen meine Stellungnahme zu den schrecklichen Ereignissen in Japan bei, die ich heute auch an die heimische Presse gegeben habe.

Mit freundlichen Grüßen

Carsten  Linnemann

——————————————

Dr. Carsten Linnemann MdB

Deutscher Bundestag

Platz der Republik 1

11011 Berlin

Telefon: 030 – 227 73047

Fax: 030 – 227 76045

www.carsten-linnemann.de

Pressemitteilung: Energiepolitische Scheuklappen ablegen

Die Ereignisse in Japan sind für uns alle kaum fassbar. Die Menschen im Wahlkreis sind bestürzt über die Naturkatastrophen, die Tausende von Opfern gefordert haben. Selten zuvor habe ich so viele E-Mails und Briefe von besorgten Bürgern bekommen wie in diesem Fall. Mit großer Sorge verfolgen die Bürger im Wahlkreis ebenso die kritische Lage der betroffenen japanischen Kernkraftwerke.

Gleichzeitig stellen sich die Bürger die Frage, ob auch die deutschen Kernkraftwerke gegen solche Naturkatastrophen gewappnet sind. Wir wissen heute, dass man manche Gefahren – beispielsweise durch die geologischen Gegebenheiten – nicht hoch genug eingeschätzt hat. Daher habe ich heute im Bundestag den Antrag unterstützt, dass sich alle deutschen Kernkraftwerke einer entsprechenden Neubewertung der Sicherheitsanforderungen unterziehen müssen – mit allen dazu gehörigen Konsequenzen von der Nachrüstung bis zur Abschaltung.

Zur Ehrlichkeit gehört auch, dass wir nicht von heute auf morgen die deutschen Kernkraftwerke abschalten können. Derzeit kommt gerade einmal ein Sechstel des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Energiequellen. Daher hat keine der vergangenen Regierungen – ganz gleich welcher Couleur – das sofortige Abschalten aller Kernkraftwerke befürwortet. Keine Frage: Auch ich möchte – nachzulesen im Energiekonzept – lieber heute als morgen aussteigen. Aber genauso stehe ich in der Verantwortung, nicht einen Weg zu unterstützen, bei dem wir am Ende des Tages Strom aus ausländischen Kernkraftwerken beziehen müssen, auf deren Sicherheitsstandards wir keinen Einfluss haben. Ich wäre sogar bereit, den „Umweg“ über den Neubau von Kohlekraftwerken zur Sicherung des Grundlastbedarfs einzuschlagen. Doch der wird überall verhindert und nicht gewollt. Erst in Düsseldorf, dann in Krefeld und jetzt in Datteln.

Um es auf den Punkt zu bringen: Wir müssen unsere energiepolitischen Scheuklappen ablegen. Die eine Seite, zu der auch ich mich zähle, muss mutiger den Weg in Richtung Erneuerbare Energiequellen gehen. Aber auch die andere Seite muss sich bewegen: Die Laufzeiten für die Kernkraftwerke wurden nämlich vor allem deshalb beschlossen, weil wir in Deutschland zwar im Allgemeinen für Erneuerbare Energien sind. Wenn es aber konkret wird, blockieren viele Befürworter vor Ort den Bau von Stromleitungen oder Speicherkraftwerken. Das heißt, sie blockieren die Technologie, die wir unbedingt für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien benötigen. Auch hier muss ein Bewusstseinswandel stattfinden.

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2 Antworten zu Antwort in Form einer Pressemeldung von MdB Carsten Linnemann

  1. Tony Katz schreibt:

    Ergänzung zu obigen Beitrag:
    Eine sehr gute Ergänzung (bisher sehr vernachläßigte) zum erneuerbare Energienmix – da nun mal Wind- und Strom sehr abhängig vom Wetter und der Tageszeit sind – ist neben der Wasserkraft, die Geothermie. Die Geothermie bietet mit sehr begrenzten Risiko (der GAU ist eigentlich nur, daß man keine ausreichende Wärme findet und das z.B. bei einem Erdbeben die Anlage schaden nimmt, aber es gibt keine nenenswerten Risiken für die Umwelt) eine dauerhafte und planbare Stromeinspeisung (Grundlastwerk).
    Mein Traum: warum für die Rente sparen indem man den Banken und Versicherern sein Geld verkleinern läßt und diese dann Schuldpapiere („festverzinsliche Wertpapiere“) kaufen, anstelle direkt in erneuerbare Energieanlagen-Betreiber investieren. Die Rente ist doppelt sicher: a) die Anlage (Sachwert), b) der Stromertrag oder der Strom. Der besondere Schmankerl bei Geothermie, Wasserkraft und Windkraft (außer Offshore) ist, daß die Einspeisevergütung auch deutlich UNTER den Verbraucherstrompreisen liegt, man verteuert also nicht vorübergehend die Strompreise der Nicht-Produzenten.

  2. tonycat schreibt:

    Energiepolitische Scheuklappen ablegen geht meineserachtens auch so:

    1) Ich stimme mit Herrn Wedeking überein, daß es die falsche Frage ist: Kernenergie ODER mehr Überlandleitungen. Eine vernünftige Politik zeichnet sich dadurch aus, daß sie langfristig LOKAL die richtigen Weichen stellt.

    2) Diese lokalen richtigen Weichen sind z.B.: KEINE (riskante uneffiziente abhängige) Großkraftwerke, sondern bürgereigene und städtische (Stadtwerke) moderne (verteilte) Anlagen – das können gewässerökologische Wasserräder/Strombojen sein, das sind Blockheizkraftwerke (Nutzung der Abwärme, jedes Atomkraftwerk und jeder Kohlemeiler ist mehr als eine Beleidigung für die Flüsse – und nebenbei: Kohlekraftwerke geben viele Tonnen Schwermetalle – u.a. auch Uran – an die Umwelt ab, das sind natürlich Solaranlagen – im Mix mit schnell regelbaren Kraftwerken.

    3) Der engagierte Bürger verlangt ganz einfach vernünftige VOR ORT Lösungen, siehe auch Bioenergiedorf http://www.bioenergiedorf.de/con/cms/front_content.php?idcat=13 – wobei die Nutzung von lokal angebauter Biomasse im Gegensatz zum weltweit-produzierten Ethanol gerade noch akzeptabel ist (E10 ist mehrfach uneffizient, z.B. wird die Abwärme im Auto fast gar nicht genutzt).

    4) Anregungen über zahlreiche bekannte und unbekannte Energiewandler finden sich hier: http://buch-der-synergie.de/archiv/bericht_e_5001_15.pdf

    Das Buch der Synergie ist eine sehr umfangreiche Sammlung über alternative Stromerzeuger. Der Link geht zu einem Bericht aus dem „Entwicklungshilfeministerium“ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit) über Alternativen zu herlömmlichen/bekannten Stromerzeugern -> Energiewandlern. Erinnert irgendwie daran, daß es eine ganz Menge Lobbyismus gibt, dergestalt, daß Energie nicht zu billig sein darf, damit Konzerne und Staatsapparat reichlich mit Abgaben zwangsbeglückt werden können.

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