Die Gier

Die Gier

Von und mit Wilfried Schmickler
Ausschnitt: Neues aus der Anstalt (ZDF), 22. März 2011
Was ist das für ein Tier, die Gier? Es frisst in mir und frisst in Dir.
Will mehr und mehr und frisst uns leer.

Wo kommt es her das Tier und wer erschuf sie nur, die Kreatur?
Wo ist es nur, das finstre Loch, aus dem die Teufelsbestie kroch?
Die sich allein dadurch vermehrt, indem sie Dich und mich verzehrt?
Und wann fängt dieses Elend an, dass man genug nicht kriegen kann?
Und plötzlich einfach so vergisst, dass man doch längst gesättigt ist.
Und weiter frisst, und frisst und frisst.

Und trifft dann so ein Nimmersatt auf jemand, der etwas hat,
was er nicht hat, und gar nicht braucht, dann will er’s auch.
Wie? Das soll’s schon gewesen sein, nein, nein, da geht bestimmt noch rein.
Und überhaupt, da ist doch wer, der frisst tatsächlich noch viel mehr.
Und plötzlich sind sie dann zu zweit, die Gier und ihre Brut – der Neid.

Das bringt mich nochmal ins Grab, das der was hat, was ich nicht hab’,
das der wo ist, wo ich nicht bin, das will ich auch, da muss ich hin.
Warum denn der, warum nicht ich, was der für sich, will ich für mich.
Der lebt in Saus und lebt in Braus, mit Frau und Hund und Geld und Haus,
und hängt den coolen Großkotz raus, wahrscheinlich alles auf Kredit.
Der protzt und prahlt und strotzt und strahlt.

Wie der schon geht, wie der schon steht, wie der sich um sich selber dreht.
Und wie der aus dem Auto steigt und alle Welt den Hintern zeigt, blasierte Sau.
Und seine Frau ist ganz genauso arrogant und dekundant.

Und dann die Blagen, die es wagen, die Nasen so unendlich hoch zu tragen,
da hört er aber auf, der Spaß – so kommt zu Neid und Gier der Hass.

Und sind die erst einmal zu dritt, fehlt nur noch ein ganz kleiner Schritt,
bis dass der Mensch komplett verroht, und schlägt den anderen halbtot.
Und wenn Ihr fragt, wer hat ihn bloß so weit gebracht,
das hat allein die Gier gemacht.

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3 Antworten zu Die Gier

  1. Greg Hemp schreibt:

    Gier macht viel kaputt, keine Frage, Gier nach Macht und Besitz – doch was ist mit dem permanenten Streben nach Wissen, nach neuen Erfahrungen und Erkenntnissen; ist das nicht auch eine Art Gier, welche aber nichts nimmt und zerstört, sondern im Gegenteil den Menschen immer wieder dazu bringt, über sich hinauszuwachsen und neue Wege zu gehen? Ich frage, ob dieses Gefühl Gier (Begehren, Drang, Verlangen, Leidenschaft, Sucht, …) nicht per se neutral, und in die richtigen Kanäle gebettet gar äußerst nützlich ist.

    • politborkenkaefer schreibt:

      Als 15 jähriger hatte ich ein Buch über einen jugendlichen Stricher und seinem Freier, einem Professor glaube ich gelesen. Dieser Professor schaffte es eine Bewusstseinsänderung bei dem Jungen Stricher herbeizuführen. Irgendwann war dieser kein Stricher mehr. Aus der ganzen Gschichte ist mir ein Satz besonders hängengeblieben:

      „Jeder Mensch strebt von Natur aus an nach Wissen“.

      Dieser Satz hat bei mir den unbändigen Drang nach Wissen, Information ausgelöst.
      Ja, ich bin gierig nach Wissen und denke der Welt damit irgendwie dienen zu können.

  2. Laura schreibt:

    das ist nun mal die grube dieser welt,
    das ganze geld,
    oberflaechlichkeit.
    jeder für sich, geht jeden schritt.

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